Betrug

Obwohl das Phänomen glücklicherweise eher selten ist, sind uns einige Fälle von Anrufbetrug bekannt geworden, bei denen mehrere Fehlkonfigurationen zu einer unnötigen Gefährdung der 3CX-Telefonanlage führten. In diesem Blogbeitrag werden wir einige häufige Fehler identifizieren und Ihnen aufzeigen, wie Sie diese möglichst vermeiden.

Was bedeutet Anrufbetrug?

Einfach ausgedrückt tritt Anrufbetrug dann auf, wenn nicht vertrauenswürdige Parteien über Ihre Telefonanlage Anrufe auf Ihre Kosten tätigen. In der Regel geschieht dies über Nacht wenn Büros geschlossen sind. Dann werden Anrufe in großen Mengen zu verschiedenen internationalen Zielen getätigt, welche Sie vielleicht erst zum Monatsende in Form einer erheblich hohen Rechnung zur Kenntnis nehmen. Doch dann ist es bereits zu spät.

Seit dem Einzug von Telefonanlagen in ein jedes Unternehmen haben es Betrüger darauf abgesehen, diese für das kostenlose internationale Telefonieren zu missbrauchen. Wer glaubt, dass diese Maschen mit der drastischen Reduktion von Kommunikationskosten nun der Vergangenheit angehören, der irrt gewaltig. Vielmehr ist im modernen Zeitalter der VoIP-Telefonie eine globale Bedrohung durch das organisierte Verbrechen, welches im großen Maßstab nach unlauterem Profit strebt, in Erscheinung getreten.

Üblicherweise kompromittiert ein Hacker IP-Telefonanlagen, um Anrufe zu internationalen Rufummern aufzubauen. Seine Motivation hierfür ist ein indirekter finanzieller Gewinn, indem er automatisch tausende Nummern von Premium-Diensten unter seiner Kontrolle anwählt und hierdurch Provisionen pro Anruf oder Anrufzeit erhält. Dies wird auch als International Revenue Sharing Fraud (IRSF) bezeichnet. Eine weitere gängige Möglichkeit, direkte Gewinne zu erzielen, ist der Weiterverkauf gestohlener Zugangsdaten im Darknet.

Die 3CX-Telefonanlage verfügt über viele integrierte Sicherheitsfunktionen und Standardeinstellungen, die einen solchen Missbrauch verhindern. Allerdings deaktivieren Administratoren manchmal solche Sicherheitsfunktionen, ohne hierbei die damit verbundenen Risiken zu verstehen.

Im Folgenden werden die häufigsten Fehler aufgeführt, die es zu vermeiden gilt.

Nummer 1: Schwache Anmeldeinformationen

Der erste Fehler ist die Verwendung schwacher Anmeldeinformationen für Ihre Nebenstellen.

Beim Anlegen einer Nebenstelle in Ihrem Telefonsystem werden standardmäßig zufällige Anmeldeinformationen auf allen Ebenen generiert, einschließlich einer sicheren SIP-Authentifizierungs-ID und eines Passworts für SIP, für die Weboberfläche Ihres Festnetztelefons, einer zufälligen Voicemail-PIN usw. Sie sollten diese zufälligen Werte verwenden, um sich vor Passwort-Erratungsangriffen (Brute-Force-Angriffen) zu schützen.

Für die Benutzeranmeldung ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) standardmäßig aktiviert und strenge Passwortanforderungen werden durchgesetzt. Sie können auch das Single Sign-On (SSO) Ihres Unternehmens nutzen, das von Microsoft und Google unterstützt wird.

Seit Version 15.5 ist es nicht mehr möglich, eine Nebenstelle mit zu kurzen Anmeldeinformationen zu bearbeiten und zu speichern. Möglicherweise haben Sie jedoch eine solche Einstellung aus früheren Versionen oder Backups übernommen.

Administratoren mit schwachen Anmeldeinformationen werden durch eine Warnung neben den Nebenstellennamen darauf hingewiesen. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über die Nebenstelle fahren, erhalten Sie weitere Informationen zu diesem Problem:

Schwache PBX-Anmeldeinformationen

Es ist außerdem wichtig, keine temporären Anmeldeinformationen für Testzwecke festzulegen. Wir haben festgestellt, dass, obwohl möglicherweise die Absicht besteht, diese später bei der Produktionsaufnahme zu ändern, die Realität ist, dass die Leute dazu neigen, diese Dinge zu vergessen.

Nummer 2: Fernzugriff erlauben

Der zweithäufigste Fehler ist, die Option „Nicht-Tunnel-Verbindungen blockieren (Unsicher!)“ in den Nebenstellenoptionen zu deaktivieren, wenn sie nicht benötigt wird.

Diese Option verhindert die SIP-Registrierung per Fernzugriff an Ihrer Nebenstelle und ist beim Erstellen einer Nebenstelle standardmäßig aktiviert. Sie können unter diesen Bedingungen weiterhin einen 3CX-Client oder den 3CX-Webclient verwenden, da der Client das Tunnelprotokoll zur Verbindung mit der Telefonanlage nutzt. Die Option sollte daher nur deaktiviert werden, wenn Sie ein STUN-Telefon verwenden.

Fernzugriff zulassen

Nummer 3: Zu viele Länder erlaubt

Bei der Erstinstallation Ihrer Telefonanlage wurde Ihnen eine Übersicht aller Länder angezeigt, für welche eingehende und ausgehende Anrufe zugelassen werden können. Diese Liste können Sie jederzeit unter “Sicherheit/zugelassene Landeskennzahlen” einsehen.

Beschränken Sie sich hier auf Länder, die von allen Anwendern gemeinsam genutzt werden. Standardmäßig beschränken wir uns auf das Land der Installation.

Eine schlechte Praxis ist es natürlich, alle Länder zuzulassen – in dem guten (Irr-)Glauben, dass Sie diese später anpassen.

Beschränken Sie Ihre Outbound-Anrufe

Nummer 4: “Faule” ausgehende Regeln

Es kann darüber hinaus verhängnisvoll sein, es sich bei den ausgehenden Regeln zu einfach zu machen und jede Nummer, welche über das System von einem beliebigen Teilnehmer gewählt wird, zuzulassen. Typisches Beispiel ist hier eine Regel ohne jegliche weitere Kriterien neben der DEFAULT-Nebenstellengruppe.

Sie sollten Regeln, gleich wie bei Firewalls, so strikt wie möglich festlegen,  indem Sie bestimmte Präfixe oder Nummernlängen definieren und das Herauswählen nur gewissen Nebenstellen oder Nebenstellengruppen gewähren.

Nummer 5: Falsch konfigurierte E.164-Einstellungen

Unter “Einstellungen/E.164” befinden sich Standardeinstellungen, welche sicherstellen, dass das “+” durch Ihre lokale internationale Vorwahl ersetzt wird. Die Referenz ist das zum Zeitpunkt der Installation definierte Land. In den meisten Ländern erhalten Sie beispielsweise “00” als internationale Vorwahl, für die USA “011”. Dies sind Werte gemäß den ITU-Standards.

Diese Konfiguration ist wichtig, da sie auch im Rahmen des Festlegens der gesperrten Ländercodes gemäß der oben beschriebenen Registerkarte “zugelassene Landeskennzahlen” zum Einsatz kommt.

Wenn beispielsweise “00” und Albanien gesperrt sind, sucht die Funktion nach Nummern, die in Form von 00355xxx oder +355xxx gewählt wurden.

Wenn Sie die internationale Vorwahl falsch konfiguriert haben, kann dies zu einem falschen “+” Ersatz führen, aber auch dazu, dass die Sicherheitsfunktion nicht funktioniert.

Misskonfiguration von E164

Beachten Sie, dass bei den meisten von uns beobachteten Anrufbetrugsmodellen erst eine Akkumulation der 5 oben aufgeführten Fehler zu einer Gefährdung führten. Eine Fehlerquelle allein reicht einem Angreifer normalerweise nicht aus, um erfolgreich zu sein.

In v16 haben wir zwei wichtige Sicherheitsfunktionen eingeführt, welche die Sicherheit von 3CX noch weiter verbessern. Die erste ermöglicht es Ihnen, den Zugriff auf die Verwaltungskonsole IP-basiert einzuschränken. Sie befindet sich unter “Sicherheit/Sicherheitsoptionen/Konsolenzugriff”. Standardmäßig sind alle IPs erlaubt. Wird die Funtkion aktiviert, dann werden nur lokale IP-Subnetze und bestimmte öffentliche IPs durchgelassen. Diese Option beeinträchtigt nicht andere Webdienste wie Provisionierung, Webclient, usw.

Konsole einschränken

 

Die zweite große Verbesserung ist die automatische globale 3CX IP-Blacklist, welche unter “Sicherheit/Sicherheitsoptionen/ Angriffsschutz” verfügbar ist. Sobald diese Option aktiviert ist, meldet Ihre Telefonanlage jedes Blacklist-Ereignis einschließlich dem Angreifer-IP an unseren zentralen Server. Nach einer Prüfung werden wiederkehrende Angreifer hinzugefügt und mit allen 3CX-Systemen geteilt, die diese Funktion aktiviert haben. Bis heute umfasst diese globale Blacklist bereits über 1000 IPs und Bereiche, welche im Rahmen von Scan- oder Betrugsversuchen gemeldet wurden. Wir empfehlen Ihnen daher, diese Funktion zu aktivieren.

Tragen Sie zu 3CX´s globaler IP-Blacklist bei

Bei Fragen zur Sicherheit oder wenn Sie einen möglichen Betrug melden möchten, damit wir den Vorfall prüfen und Sie über mögliche Präventionsmaßnahmen informieren können, eröffnen Sie bitte ein Support-Ticket in unserem Helpdesk oder nutzen Sie das Kontaktformular unter „Sicherheit & Datenschutz“. Diese Anfragen werden mit höchster Priorität bearbeitet.

Im Falle eines tatsächlichen Vorfalls gilt es, nicht in Panik zu verfallen. Es ist wichtig, dass Sie zunächst Protokolle erstellen, bevor Sie weitere Maßnahmen ergreifen. Gehen Sie hierfür im Bereich Support auf “Support-Daten erfassen”. Das erzeugt eine Zip-Datei, deren Link Ihnen dann per E-Mail zusandt wird. Sie können diese Zip-Datei auch zur Überprüfung an Ihr Ticket anhängen.

Was soll ich tun, wenn ich eine Sicherheitswarnung von meiner EDR-/Antivirensoftware erhalte?

Bitte melden Sie das Problem Ihrem Antivirenhersteller und teilen Sie uns den Bericht des Antivirenherstellers mit, sobald dieser verfügbar ist. Nutzen Sie dazu bitte dieses Kontaktformular und wählen Sie die Option „Sicherheit & Datenschutz“.

Wenn Sie einen 3CX-Partner haben, melden Sie diesem bitte umgehend alle Sicherheitsmeldungen/Warnungen.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Thema!